Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Auto-Anthropophag
Der Bundesaußenminister und Vizekanzler, Guido Westerwelle, macht ja nicht nur außenpolitisch von sich reden, indem er beispielsweise eigenmächtig den Afghanistaneinsatz neu definiert und damit quasi den Krieg erklärt, nein – auch das Wohl der Bürger im Inneren hat es ihm natürlich angetan. So macht er “spätrömische Dekadenz” beim Volke aus, besonders bei denjenigen, die höhere Regelsätze beim ALG II fordern. Dem gelte es entgegenzusteuern, auch müssten die Hartz-IV-Empfänger mehr in die Pflicht genommen werden, und als der Weisheit neuester Schluss des “ViKa” gilt sein Vorschlag, jüngere Leistungsempfänger zum Schneeschippen antreten zu lassen.
Auch wenn dies nicht nur bei der schreibenden Zunft auf diverse Entrüstung stieß – wir finden derlei Vorhaben selbstverständlich höchst begrüssenswert (der AA ist ja ein “staatstragendes Blog”), weshalb wir einen Reporter zu einem, natürlich völlig fiktiven, Interview mit dem geschätzten Minister aussandten. Leider war dieses Gespräch nicht besonders ergiebig, aber das lag sich auch an unserem Mitarbeiter, der Herrn Westerwelle mit teilweise despektierlichen Fragen wohl etwas aus dem Konzept brachte.
AA: Herr Außenminister, sie haben ja unlängst Rechtssicherheit geschaffen und die Afghanen, äh … die Taliban sozusagen zum Abschuss frei gegeben. Denken sie, das wird die Wende in diesem Krieg, pardon, “nichtinternationalen bewaffneten Konflikt” herbeiführen?
GW: Nichtinternationaler bewaffneter Konflikt, nichtinter-nationaler bewaffneter Konflikt, nichtinternationaler bewaffneter Konflikt …
AA: Aha, äh ja … Zum Inland: Sie greifen ja neuerdings auch – an ihrem Ressort vorbei – in die innenpolitische Debatte um den Sozialstaat ein und sprachen gar von “spätrömischer Dekadenz”. Was hat sie dazu motiviert?
GW: Spätrömische Dekadenz, spätrömische Dekadenz, spätrö-mische Dekadenz …
AA: Sie haben unlängst vorgeschlagen, jüngere Leistungsempfänger zum Schneeschippen einzusetzen. Welche Erwartungen haben sie damit verbunden?
GW: Schneeschippen, Schneeschippen, Schneeschippen …
AA: Ah ja, sehr aufschlussreich. Was aber, wenn kein Schnee mehr liegt? Die Jahreszeiten und der Klimawandel sind nicht außer Acht zu lassen. Da sind dann nur noch kahle Strassen, die nach dem harten Winter auszubessern sind. Was planen sie dann?
GW: Strassen ausbessern, Strassen ausbessern, Strassen ausbessern …
AA: Kritiker meinen ja nun, sie würden populistisch in den Spuren Thilo Sarrazins und Roland Kochs wandeln und manches einfach nachplappern wie ein Papagei? Wie stehen sie zu dieser Kritik?
GW: Papagei, Papagei, Papagei …
AA: Herr Westerwelle – wir danken ihnen für dieses aufschlussreiche Gespräch!
[fb]
kopperschlaegerdotnet bedankt sich artig für die freundliche Überlassung, lieber Auto-Anthropophag!
Doch gern geschehen, liebes “kopperschlaegerdotnet”